Rodstein-Krimi

Rodstein - Krimi

 

Paul Hug

 

 

 

So nebenher ersonnen/ersponnen Februar - April 2017

 

Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind völlig unbeabsichtigt

und geradezu gänzlichst ausgeschlossen

 

 

I.

 

Nicht allzu früh an einem leicht regnerischen, bronkelnebligen Vormittag - gerade als zwei Damen sich mit ihren lieblichen Hunden wieder auf den Weg vom Rodstein ins Tal machen wollen - nach dem Verdrücken eines Weckens in einem bekannten Einkaufsgeschäft macht sich Hartmut Mützler auf den Weg zur Schneidermühle, um dort seine wichtigen Arbeiten weiter zu führen. „Herrschaftsechser, jetzt hab e mein löslicha Kaffee vergessa“, sinniert er, „soll e nomol omdreha? Ha noi, i ben jetzt scho a bißle z weit.” Er lächelt leicht verschmitzt in sich hinein, hat er doch ein paar Kindern mit dem Mühlengeist etwas Angst gemacht, den man schließlich stets vermutet aber noch nie gesehen hat. Oder doch? Da fallen ihm aufgefundene Katzen-, Mäuse- und Rattensekelette ein und das Fledermausgerippe in einem dunklen Schacht, wo das Tier unlängst eines unrühmlichen Todes sterben musste – Dschungelkämp in Oberkochen. Nichts gegen die leeren Schnapsflaschen um die Mühle, die er nun zuallererst beiseite schaffen will oder die angeschwemmten Weinflaschen, leider auch inhaltslos, im Kocherkanal. „Jetzt wuahl e halt a paar Stonda, dann gang e zur Oberkochener Mafia ins Stieble – vergiss aber auf’m Hoimweg den vergessena Kaffee net, Buale“, murmelt er vor sich hin „au wenn des Fahrrad von so ma ehemailga Spitzenstahlverkäufer drvor stoht“.

 

Etwa dreizehn Stunden früher – also am Abend zuvor – trafen sich zu einer leicht geheimen Sitzung Bürgermeisterkandidat Eugen Klemmerle, der unerwartet seinen Hut zur Wahl im Dezember in den Ring geworfen hatte, mit einigen unbekannt bleiben wollenden Herren, sogar mit ein paar klugen Frauen ergänzt, und dem teuren, irgendwie angeheuerten, erfolgsversprechenden, und höchst qualifizierten Berater Luap Guh und einigen weiteren jedoch ungenannt bleiben wollenden Getreuen sogar aus örtlichen Parteien in der neuen Gaststätte Mulin, gegenüber der erwähnten Mühle. Schließlich geht es um die Nachfolge des Amtsinhabers Tramb. Allein schon durch seine erstaunliche Karriere war Eugen Klemmerle geradezu prädestiniert, sich für diese Aufgabe zu bewerben, eine bessere Besetzung könnte wohl niemals gefunden werden, war er doch Chemiker, Mathematiker, Edv-ler und sogar mal ab 1982 zeitweise Gastwirt und feierte seine Probehochzeit 2008! Auch mit bodenständigem, ehrenhaftem Humor ist er gesegnet – es wäre ihm z.B. nicht passiert, einen Schulteskollegen bei einer Faschingsgesellschaft sogar namentlich anzuschwärzen, der aufgrund gewisser Orientierungslosigkeit einmal größere Probleme mit dem Wasserlassen hatte. Oder hätte er auf keinen Fall am 31. März einen 1. April-Fake geschrieben, der historisch Halbgebildete völlig verwirrte. Jaja, deutscher Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

 

Nach eingehender Beratung war Eugen Klemmerle zufriedenst mit den klaren roten Faden als vielversprechenden Strategie für einen erfolgreichen Wahlkampf mit sicherem Ausblick auf einen deutlich zu erwartenden Sieg mit der Sensations-Punkteliste seines gekauften Strategen Luap Guh, „denn nur mit dem seiner höchst qualifizierten Unterstützung schaff ich das. Bei dem seinem beneidenswertesten IQ würde sogar mancher Zeiss-Boss so richtig neidig“. Wer zuletzt lacht, denkt zu langsam. Jaja: dem seine innere Größe gleicht das Defizit an Körperlänge aus, was so manchem zum Idealgewicht fehlt. (Eigenlob stimmt!)

 

Hartmut Mützler kommt der historischen Mühle näher, will heute Fensterrahmen streichen, zuerst aber im stark renovierungsbedürftigen Gesindehaus den 2016 eingerichteten Kanal und die Pumpen überprüfen. Doch urplötzlich stutzt er, bleibt stehen: „Was isch denn dös? I hör gar koi Mühlradgeräusch. Ja, was!“ Er wundert sich, denkt erneut schärfer nach, wird unruhig, unsicher, fühlt sich immer schlechter. „Herrschaftsechser, irgendebbas stemmt do net!“ Mist, nichts zum Schock-Reduzierungstrinken da?! Gerade jetzt, wo man so was dringend brauchen könnte! Ganz zufällig haben sich Albin Schweinepech und Carlo Aprilsie gegenüber der Kirche getroffen und schreiten am schlotternden Mützler vorbei. „Ja, Kerle, was hasch denn?“ Beide schauen zunächst sich an, schütteln die melierten, grauen, immer haarloser werdenden Köpfe, dann blicken sie auf Mützler. Völlig sprachlos zeigt der nur auf das kleine Türle zum Mühlrad. „Do muaß ma halt nochgucka!“ sagt Schweinepech leicht mürrisch, mit all seiner Erfahrung seines Berufslebens. Es geht entschlossen voran, halbmutig kommt Aprilsie nach, Mützler folgt beiden in sicherem Abstand unsicher und zitternd Richtung Türle und denkt im hintersten Winkel seines Gehirns doch an den unbekannten Mühlengeist und es friert ihn schütterlich.

 

Big Bang!!! Da geschieht plötzlich und unerwartet der völlige Wahnsinn: In just dieser Millisekunde quellen auf einen Riesenschlag mit heftigsten, knalligsten, brausendsten Überschwemmungsgeräuschen mordsmäßige Mengen Wasser schäumend auf die Mühlwiese, durch das Tor auf die Straße, sprudeln ins Untergeschoss des Mulin. Wotans Heer kommt! „O verreck“, brüllt Aprilsie und hupft irgendwie auf einen gut sortierten Dachplattenhaufen, Schweinepest macht’s ihm nach: „Dau muass e Rentner werda ond so was no erleba! Warom be en bei dem Scheißwetter denn net em Bett bliebe!“ Ängstlich jammernd schafft es Mützler, einen einigermaßen sicheren Halt an der Dachrinne zu ergattern. Hektik allüberall, Garagen laufen ruckzuck voll, Mulinpersonal, zufällig etwas herrichtend bereits am Vormittag da, flüchtet das Mühlenbergele hoch oder in den oberen Stock. Allseits lauteste Hilfeschreie. Sogar von unten aus den Kanalschächten drückts Wasser aus gelupften Schachtdeckeln raus. Untere Mühlstraße, Kapellenweg, Ottilienkapelle, sogar der steinig-kiesige Mühlwiesenparkplatz - alles eine einzig hellbraune Soße. „Jaja, dr Bronkel“, denken alteingesessene Anwohner, als sie an die Fenster ihrer Häuser rennen. Und das trotz allgemein weltweit steigendem Gewässerniedrigstand! Wow!

 

Doch jetzt schon hört man unerwartet, weil so unglaublich früh: Sirenen. Sogar beim EssEmTee draußen häbe man unerklärliche Erschütterungen im 4 Meter dicken Beton bemerkt. Sicherheitschef Franz Euerweich alarmierte seine Zeiss-Werkswehr, die behände ausrückte und lange vor der Ortswehr erschien, die noch Kompetenzgerangel wegen zu oft verlegter Generalversammlungstermine zu entscheiden hatten, was ihr Chef, Bürgermeister Tramb, Tage später nach Zögern kleinlaut dementierte. Wobei manche munkeln, die Wehr hätte nicht mal die nötigte Ausrückstärke.

 

Schweinepech, während Mützler krampfhaft an der Dachrinne hing und regelrecht in sich zerfiel, fand mittlerweile die Ursache: „Jessasle, des Mühlrad isch blockiert, des dreht sich nemme“. Seine Gehirnrädchen drehen sich dagegen ungewohnt schnell: „Des hat den Mordsstau verursacht und dann isch’s auf oimol rausquolla – Zackbumm! Kocher und Kocherkanal sind jetzt oi Gewässer worra“. Aprilsie ist gänzlich blass, atmet schwerst und zeigt mit weit aufgerissenen Augen zum stehenden Mühlrad. Mützler schaut ihn an, dann wendet sich sein Blick langsam zum Rad: „Ui guck, do steckt ja oiner drenna bis zum Bauch, o jeggerle, am End a Leich, bloß no dr Oberkörper guckt raus!“ Beide werden blass und blässer. Mützler droht zu fallen, gottlob kann Aprilsie ihn vor dem Sturz in die Fluten retten. Eine Leiche im Mühlrad – und das im ach so beschaulichen ehemaligen Dörfle! Mützler rafft sich zitternd auf und meint erschüttert, fassungslos und langsam heulend: „Ja sag amol, des wurd doch net mei guater Bekannter, dr Luap Guh, sei“ und bricht in saft-, kraft- und haltlos in sich zusammen.

 

 

 

II.

 

Chaos in der Stadt. In Sturmeseile geht die Botschaft durchs Dorf, durch jede Haus- und Hintertür, in jedes Hirn und Herz – naja, fast. Nur die traumverloren im Land der Musik und Poesie übende auswärtige Organistin in der Kirche hat noch rein gar nichts mitbekommen, gleich wohl auch die kirchlichen Grundfesten in bräunlicher Wasserbrühe stehen. Das wenn der Vorgängerbau, die romanische, nach Osten ausgerichtete Kirche aus dem 13. Jahrhundert, hätte erleben müssen!

 

Der das Gras wachsen hörende Anstreichmeister Wüstfrau fährt im teils tiefen Wasser trotz beachtlichem Risiko kurz naseweis heimlich vorbei, streicht seine Bartenden himmelan, blickt mit leicht verdrehten Augen sinnierend nach oben und unten, lehnt sich dann schluchzend auf das Lenkrad, als er sieht, dass diese so aufwändig gestrichene Sockelmauer nun alles andere als schönstes Weiß ist, verschluckt sich, wendet und verschwindet – ein Künstlerherz leidet, da hast den Dreck.

Im Rathaus wieder mal völliges hektisches Durcheinander: „Was isch passiert? Muss ebber ebbas macha? Was sollet mr macha?” “Des gibts doch gar net – oder am End doch?“ „Wer isch dau zuaständig, verantwortlich? I ganz gwieß net“ „Stoht dr Mühlasaal no?“ „Muttergottes hilf!“ Einige Entscheidungsträger verstecken sich in WCs, in der Tiefgarage. Im Lift, mit dem der Amtsleiter nach unten wollte, sei dieser hilflos stecken geblieben. Immer diese Technik, wenn man sie einmal braucht...! Gottlob habe er ein Handy dabei gehabt und konnte wenigstens telefonisch die Ortsfeuerwehreinsatzgeschichte regeln – oder auch nicht. Gleichfalls erwähnenswert: Eine größere Anzahl höher besoldeter Beamten kriegt wegen im Grunde unberechtigtem Büroschlaf zunächst gar nichts mit. Dann heißts unschuldig: „Was? Wer? Gibt’s doch gar net. Oder doch? Hab e doch glei gwißt. A wa. Jeggasle! Ah so?” Ein Cleverer denkt: „Sei schlau, stell dich dumm, haha“. „Jaja, manche Beamten betrachten ihr Gehalt halt als Anwesenheitsprämie“, meint ein garstiger Bürger, als ihm das später zu Ohren kommt. Nix wie Gänsedreckziehen! Man ist eben nicht launisch, nur emotional etwas spontan. Jedenfalls sollte man den männlichen Rathäuslern die Hosentaschen zunähen, damit sie bei irgendwelchen Besprechungen oder so Zusammenständen einen schlichtweg etwas motivierteren Eindruck machen (aber das würde ja wieder eine kniggeorientierte Dienstelle mehr zur Folge haben, was im Prinzip freilich auch nicht schaden könnte). Einige Ratsherren und Beamte verdienten durch Zusatzjobs bis zum Dreifachen! Und dann diese Pensionen! Früher hieß es „beim Zeiss isch ma, bei dr Gmoid schafft ma“ – heute klingt’s wohl umgedreht.

 

Ein anderer sitzt am seinem Schreibtisch und jammert sichtlich angefressen, als er die Kunde erfährt: Was schreibt der Starautor des Heimatvereins nach dieser Aktualität im nächsten Bürger und Gemeinde-Blättle? Gerade wollte er über das phänomenale Familienleben der Forellinnen und Forellen im Kocherkanal ausführlichst berichten – erstaunlicherweise solle darunter sogar eine intergeschlechtliche solche schwimmen. Und dann noch dieser Entenvater, dem durchaus etwas schwant, als er die langen Hälse seiner Kinder sieht. Was für eine Attraktion dank dieser Genderei heutzutage, was für ein Forellensadomaso – und jetzt raubt ihm diese geschissene Überschwemmerei Originalität und Attraktivität seiner Kochersensation.

 

Auch im Freundeskreis Bagage ist zunächst alles recht erregt (wie es das Alter halt so zulässt), Telefone schellen hin und her: „Net dass dui Wassersauerei bis zo unserm Josefskapelle naufkommt“. Aber rasch beruhigen sich die Gemüter: „Dann tät ja ganz Oberkocha absaufa, des ka net sei, da tät des Wasser gwieß scho früher zo dene Bärafanger naloffa – aber wenn er den verwisch, wo von onserm wonderschönen Josefkapelle als Rochuskapelle gschriebe hat, des regt me Tag ond Nacht auf!“ Dabei leben sogar Aurorafalter am geliebten Kapelle! Überhaupt „B...“, dieses unwürdige Wort für einen so respektablen Männerkreis! Naja, gegründet 1973 aus einer Laune heraus, als der Japanmoritz nach notwendigem Blasenentleeren in der Wachau wieder zu den anderen stieß und aus spontan kreativem Einfall seine Kumpel so nannte. Auch wenn’s bitte schön ein paar zunächst nicht akzeptieren wollten, hat man im alkoholischen Hoch das Wort dann übernommen, sogar der Pfarrer darf dies in der Kirche aussprechen – nur der ehemalige evangelische Pastor Menschacker wollte einst den doch krassen Namen nicht so recht in den Mund nehmen, obwohl er eine Spende von 300 € übernehmen durfte.

Die Leiche wird entgegen jeder polizeilichen und anstandsgebührenden Regel irgendwie panisch aber doch einfach mit Schmackes herausgerissen – clever, denn: Alles zunächst halb so wild: Die Überschwemmung wird das Rathaus nicht erreichen – trotzdem wird es unter Quarantäne gestellt, die Kirchen können bald mit Dutzenden von Dankkerzenspenden rechnen, im Bronkel sind das die älteren Bewohner ja von früheren Zeiten durchaus gewohnt – nur hier herrscht relativ verlässliche, entspannte Gelassenheit. Also irgendwie cool bleiben, die Überschwemmung wird von selber weniger, das in riesiger Anzahl blaulichtblitzend und lärmend erschienene DRK muss einige Leute psychisch beruhigen, der Mützler wird pädagogisch gleich von zwei Stadtpfarrern, dem katholischen und dem wiaschtgläubigen, verpsychoseelsorgt. In der Mühlenscheuer gibt es plötzlich sogar vom Vorstand des Mühlenvereins und seiner lieblichen Gattin raschest herbeigeschaffte Fässer Bier und allerlei Schärferes zu leeren. Was für ein Nasenwasser. Respekt für diese schnelle Bereitstellungsaktion! Wegbart Übercheck soll deshalb möglichst bald zum EhrenDRKler ernannt werden, schlagen mehrere Blaulichtler vor, während Feuerwehrler lautstark meinen, dass er zuerst zum EhrenzeisswerksFWler gemacht werden muss – die OrtsFFW muss sich dahingehend erst noch beraten, falls sich mal ein Termin für ein Zusammentreffen finden lässt und nicht z.B. wegen eines Jazzevents verschoben werden muss. Auch ein paar Stadträte überlegen dessen Ernennung zum Ehrenbürger, aber so rätliches Procedere mag schließlich bekanntermaßen unendlich dauern. Aber bei der Kämpferkameradschaft würde es an Hauptversammlungen mangeln...

 

 

III a.

 

Doch zurück an den Kocherkanal: Was war da nur geschehen? Wie kommt dieses Oberkochener „Urgestein“ ins Mühlrad? Rätsel über Rätsel. Meinung gegen Meinung. Gschwätz gegen Weisheit. Intelligenz gegen Ignoranz. Nachdenken gegen Dummlall...

 

Was war in dieser ominösen Besprechung im Mulin passiert, um so ein unsägliches Ende zu haben? Erschrocken findet sich die Klemmerle-Gruppe zusammen und kann sich diesen grausigen Tod nicht erklären. Man hat doch nur Sachliches geredet, Luap Guh über den Schellenkönig gelobt. Der rede nicht zu schnell, andere denken nur zu langsam.

 

Er gab Eugen Klemmerle zunächst u.a. als Auswahl die Slogans „Die bessere Wahl“ oder „Mittendrin statt nur dabei“ für den bevorstehenden Wahlkampf und weitere Stichworte und Begriffe mit auf den Weg: Einer von uns, Herz und Verstand, Familien fördern, zeitgemäße Bildung, Neuanfang mit frischem Wind, Kompetenz, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit, Stärkung Wirtschaftsfaktor, Zeit für Taten, Vielfalt bewahren, Mann mit Herz – oder Verben wie unentbehrlich, ehrlich, erfahren, engagiert, innovativ, sozial, menschlich, modern, stets näher dran. Für klügere Mitmenschen auch in Latein: „servire societat“ oder „per aspra ad astra“ oder „E pluribus unum“ – das mache das i-Tüpfelchen aus, besonders da Eugen Klemmerle ja den „Local Klüngel“ bestens kenne. Weitere klassische Tipps ließ Guh los: Belangreich seien persönliche Beziehungen zu Prominenten, die Attraktivität der Partnerin, die Mobilisierung der Nichtwähler, Unvoreingenommenheit, Mitarbeiten bei Gemeinschaftsaufgaben (z.B. Nachbarbürgermeister legt mit Hand an bei Renovierungsarbeiten im dortigen Klosterbereich). Mit 10 wichtigen Bausteinen schloss er sein fundiertes einführendes Referat: marketing, timing, profiling, branding, networking, posting, canvassing, marbling, sponsoring.

 

Aber Guh dann als Leiche im Mühlrad? Eugen Klemmerle und seine Unterstützer hirnen erneut intensivst zurück: Es ging anschließend um aktuelle Oberkochener Themen und deren Entwicklungschancen für die Zukunft. Etwa das Hallenbad – belassen, als Schulschwimmbad und für Interessierte weiterhin nutzbar in der genannten Form, also nur die nötigsten Investitionen (Bäder in den Nachbarstädten sind ja schließlich für die ganz tollen Wasserratten da). Oder eine ganz große Lösung, etwa alles neu im Schwarzhallengebiet? Oder um das Schneidermühlenareal – klare Gedanken wie man vor allem den Mühlensaal einem breiten Publikum lukrativ machen kann. Besser aber: Ein wichtiger Aspekt sei die Umwidmung des neuen Mühlensaales (wieder ein kleiner Raum mehr in der Stadt, nachdem ja die Nutzung des Zeissforums als Stadthalle sich eh als ein hochgradiger Schuss in den Ofen herausgestellt hat) als Heimatmuseum im Zusammenschluss mit dem Heimat- und Mühlenverein, worin dann die Orts- und Mühlengeschichte museal genialst aufbereitet werden könnten und endlich mehr interessierte Besucher erhielte. Wo gibt es schon ein Museum, bei dem man per Hinteraufgang nach oben Treppen steigen muss? Auch eine sinnvolle Nutzung der entstehenden neuen Mitte wurde zielführend diskutiert – „oder bleibat Stoiner ind Drähg für die nägschde Hondert Johr oifach so stragga?“ „Herr Klemmerle, wir brauchen Nägel mit Köpfen, net Pallaver!“

 

Ach, ja Zeissforum: Wenn dann mal tatsächlich eine Veranstaltung stattfände, z.B. irgendwas Musikalisches, bei dem gegen halb zehn Uhr alles vorbei wäre, ginge die Hautevolee zum Leitz bzw. in den Schrammkeller – aber die normalen, schlichten, einfältigen Leute interessiere niemand – gottlob gibt’s noch die Gaststätte "Ackerloch“. Oder der betonierte Fußweg Richtung Zick-Zack-Weg Volkmarsberg sei fertig aber stets gesperrt, was auswärtige Wanderer ziemlich hilflos bis blöd dastehen lasse – anscheinend mangele es nur am Geländer. Kein Osterbrunnen, ein phantasie- und liebloser Maibaum – jedes Kuhdorf präsentiert sich besser. Jaja, so ist’s halt z Oberkochen: Tausend Sachen angefangen, aber nichts gescheit zu Ende gebracht; und wenn man mal nachfrage, kriege man nur eine hochnäsige Antwort... „Auf geht’s, Klemmerle!“

 

Um alles besser zu verstehen, gab es einen Rückblick in die 60-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts – die Herren trugen damals fast die gleichen obercoolen

Frisuren wie heute: über den Ohren glattrasiert - in die glorreichen Zeiten des damaligen Schultes Busch, der ja, weil selbst keine Kinder, Luap Guh schon als jungen Burschen für eine Bürgermeisteridealbesetzung hielt und ihm allem damit verbundenen Ausbildungskosten gerne übernommen hätte. „Des wär halt a geniale Geldanlag, des tät sich tausendfach bezahlt macha“, habe er damals seinem Obergemeinderat von der Felderstraße nach einer wie üblich längeren Nachsitzung beim vermuteten 11. Viertele gestanden. Wie sagte doch der Hausmeister der Volksschule, Weiche: „Halt die Gusch und wähl den Busch!“ In der Zeit, als man glaubte, auf der Heide (war Staatswald und man musste nicht mit den Bauern streiten) an die 8.000 Menschen vor allem in den damals schicken Hochhäusern unterzubringen oder in Flachdachhäusern mit klaren Heizungsvorgaben und dann, aus damaliger Sicht folgerichtig gedacht, das neue Rathaus, die neue evangelische Versöhnungskirche und das Rupert-Mayer-Haus in der hernach dort zu erwartenden neuen Stadtmitte, dem neuen Zentrum der Weltstadt Oberkochen, errichtete. Besser wäre es gewesen, man hätte doch die Seilbahn auf den Rodstein errichtet und dort oben den neuen Ortsteil gebaut. Selbiges hat man ja einige Zeit krampfhaft überlegt – stell dir vor: Oberkochen, das schwäbische Kitzbühel! Aber seit jener Busch-Zeit bestimmt sowieso der Landkreis, was in Oberkochen geschieht.

 

So hat halt alles seine Zeit, etwa als man in den 60-er Jahren, der Bilderstürmerzeit, die Gemälde und die Apostel in der katholischen Kirche einfach zeitgeistgemäß weiß übertünchte oder man später Straßen durch quer eingebaute Steine beruhigen wollte – dieser Menschzieglerismus, der die Innenstadt mißglückst sanierte. Oder der gravierende Fehler, sagen welche, bei der Ortseingemeindungsgeschichte nicht mit Königsbronn und Ebnat zusammengegangen zu sein und so auch eine andere Auffahrt zur Autobahn störungsfrei für die Menschen zu kriegen. Oder... „Oje, wie isch alles komma!“

 

Alle stellten sich der Aktualität, etwa bei der Beredung der Schulpolitik, wobei sich alle ärgernd wunderten, dass viele Gebäude um die Dreißentalschule bereits in städtischem Besitz sind und ein weiteres, östliches, leeres halt ergattert werden müsse – warum also diese Container und das Generve um die Tiersteinschule? Guh, der schließlich lange Jahre u.a. Pressesprecher der Schulleitervereinigung Baden-Württembergs war und einziger in Oberkochen lebender Grund- und Hauptschulrektor ist, verwies auf seine äußerst interessanten Ausführungen zum Thema „Kinder und Schule“, die man unter www.elterninitiative-schule-bildung-zukunft.de (gute Texte, ein Schulleiter berichtet) nachlesen könne. Aber die Schülerzahlen, au weh, die stellen die Beine! Weitere Alternative: FFW-Magazin, da völlig überaltert, abreißen, Platz für Schulerweiterung. Jedoch die Schulkinder wissen mehrere kluge Sprüche: Die Schule ist eine Leere fürs Leben. Was ist flüssiger als Wasser? Hausaufgaben, die sind überflüssig. Wer nichts lernt, vergisst auch nichts. Lesen gefährdet die Dummheit... Oder in neuer Mitte ökumenisches Zentrum bauen, dafür das Areal Versöhnungskirche/Rupert-Mayer-Haus für Baugebiet freimachen oder dort ein neues Feuerwehrmagazin erstellen?

 

Viel Gerede mit Unklarheiten ranken sich um alles, was Industrieansiedlungen oder gar ein interkommunales Baugebiet zwischen Oberkochen und Königsbronn betrifft. Die Königsbronner bauen immer näher an Plattenhütte und Meergartenhof heran – und Oberkochen? Vorbild für eine interkommunale Zusammenarbeit sind doch die „Ursprung-Schwaben“, der gemeinsame VfB-Fanclub von beiden Orten. Nicht nur wegen der beneidenswerten interessanten historischen Geschichte dieses Nachbarortes sollte man endlich wieder zu einem brauchbaren Miteinander finden. Überhaupt habe das Rathaus eine viel zu überhöhte Personaldecke, dafür würden bisweilen auch Halbtagsjobs reichen, die womöglich aber immer noch schlicht zu hoch bezahlt wären. „Junge, der Staat und meine Steuergelder!“

 

Das Thema neue Baugebiete im Ort fand geniale Ideen, etwa das Gebiet über der Märzhalde ab dem Landschaftsfreundehaus. Blockieren da Reiche? Und Kardinalfehler: Warum hat man schlussendlich im Wolfertstal die geniale Bauidee nicht durchgesetzt?

Teils krude Vorschläge zur neuen Mitte, dem alten Damwild-, bzw. Dübelareal, wurden angesprochen, aber noch nicht entschieden: Empfehlungen drehten sich vom Bau einer Stadtbibliothek über den archaischen, denkmalgeschützten Dübel-Keller-Wänden oder über Friedhofsknochen mit dann möglicher Nutzung der alten evangelischen Kirche, des wunderschönen historischen gelben Hauses, in ihrer einst angestammten Verwendung, da bei den statistischen Auswertungen der Zahl der Sonntagsfrommen dieses Haus den Anforderungen über alle Maßen genügen würde. Und die Renovierung der evangelischen Kirche: Wahnsinn, von wem kommt das Geld für immer leerere Räume mit planerischen Fehlern schon am Baumaßnahmenbeginn? Oder man baute über den historischen Gewölbekellern eine Moschee (so was würde die möglicher Weise scheidende Frau Merkelin gnadenlos glücklich machen) – das wär ein Ding, drei Kirchen nebeneinander, nachdem das 1. April-Fake-Denkmal einer alamannisch-lutherischen Frühkirche bei vielen Oberkochenern heute noch nicht real im Kopfe stehe (naja, was sind schon 1500 Jahre unverstandene Geschichte – in der Schule nie aufgepasst, hä?)! Womöglich sind diese aufgefundenen Friedhofknochen gar von einem Dino, einem Neandertaler oder dem Bruder des Mörders des Ötzi. Mann, das gäbe Berichte in BuG. So wird die „Neue Mitte“ zur endlosen Geschichte, aber das Landesdenkmalamt und sein örtlicher Zuarbeiter brauchen schließlich auch eine Daseinsberechtigung. Nicht für die Schule lernen wir, sondern für die Katz.

 

Und was geschieht mit dem seltsamen Haus mit dieser krassen Plakatfront gegenüber der neuen Mitte? Umbauen, abreißen – wo klemmts: Brandschutz, Zufahrten, Parkplätze – also: einfach aus dem Haus mit den vielen wilden Werbungen ein Parkhaus errichten?

 

So ist’s halt z Oberkochen: Viel Geschwätz in alle Richtungen: dafür, dagegen, hintenrum, hintendrein... Woanders machen sie Nägel mit Köpfen. Da frag mal den ortsbekannten Zeitungsausträger per Fahrrad, den Schwartenmagen...

 

 

 

III b.

 

Man erinnerte sich z.B. weiter: der grundanständige Luap Guh war massiv gegen die stillschweigende Errichtung ein so genanntes Dreifarbenhaus (in den Stadtfarben gelb, blau, schwarz) in der neuen Stadtmitte - das reichhaltige Sexangebot für die Oberkochener im Internet müsse reichen - obwohl ja neuerdings sogar den anscheinend immer schärfer werdenden Senioren derlei lustbare Späße sogar vom Staat bezahlt werden sollen: Je älter der Bock, umso härter das Horn – ergo nicht doch sinnvoll bei einer weiter steigenden Überalterung im Städtle? Wobei durchaus auch das noch unbezahlte Schafszelt für solche Zwecke ausreichend sein dürfte (leider zu früh vor sinnvoller Nutzung abgebaut). Eher wäre zu bedenken, meint Guh, dass in der heutigen Weiblichkeit das Wort Polyamorie immer breitere Verbreitung findet: Es erweitern sich die erotischen Sehnsüchte, schließlich sei Monogamie ja nicht naturgegeben, eine feste Beziehung treibe manche auch in den Wahnsinn, der Mensch sei durchaus nicht auf ein einziges Liebesmodell festgelegt. Wow. Aber grundsätzlich: Ein hausiges Weib ist halt die beste Sparkass. Viele Frauen sind wie Milch: erst süß, dann dick, dann sauer. Mode ist die teuerste Stoffwechselkrankheit. Kosmetik ist die Kunst, aus der Not eine Jugend zu machen. Ein Räuber verlangt immer nur Geld oder Leben, Frauen wollen gleich beides. Naja, alte Liebe rostet nicht, aber schimmelig kann sie werden.

 

Und: Die Lärmbelästigung durch die Angler-Speditions-Lastkästen im Hunde- und Schlechtenbachbereich solle mit einem Tunnel, direkt an der nördlichen Ortseinfahrt beginnend, für deutlich mehr Lebensqualität sorgen und es ließen sich mehrere Mücken auf einen Streich erledigen: Die Heide wäre auf kürzerem Weg stressfrei erreichbar, am Schlechtenbach könnte das schönste örtliche Baugebiet entstehen, denn – sollte es ja mal zu einer bisher baugebietlich ängstlich machenden Überschwemmung kommen, könne die Brühe ja dann leichtens durch diesen „Anglertunnel“ abfließen (wobei die Namensgebung dieses genialen Tunnels ja noch nicht akkurat beschlossen sein muss – „Klemmerlestollen“?) und der Bauhof den Durchbruch dann halt kurzfristig für Motorisches sperren müsse. Das wäre auch ein weiteres Argument für den Ausbau des Fuchsenbachtales mit Wohnungen für junge Familien. In der Tat: Einige mittlerweile durch die Anzahl der gewonnenen Jahre ältere Typen erinnern sich noch gut, wie man in der Kinder- und Jugendzeit zum Spaß den Schlechtenbach aufstaute, dort wo heut nun Gebäude stehen, und die ganzen Wiesen unter Wasser setzte oder das Wasser in Mauslöcher verfrachtete, um so spaßeshalber 5 – 8 Mäuse zu fangen. Dasselbe geschah freilich auch am Kocherursprung, wo jemand sogar eine Schleiereule züchtete. Und Forellen gab’s da zu klauen!

Kurz wurde angesprochen - weshalb weiß eigentlich keiner mehr, ob denn das alte Rathaus die Farbe lila oder dunkellila hatte (lila: Farbe der Büßer), sowie der Bombenabwurf zu Ende des 2. Weltkrieges, der ja das Haus daneben traf. Oberkochen – bekannt durch die Leitz-Produktion von Fahrgestellen, von Teilen der Me 262 für Dornier in Friedrichshafen - hat sich ja als letzte Gemeinde ergeben, eine beherzte katholische Schwester rettete das Dorf vor einem Bombenangriff, indem sie am Kirchturm ein weißes Betttuch hinaushängte.

 

Weiter solle sich Eugen Klemmerle bei Gott so dumme Sätze nicht aus dem Mund kommen lassen, wie etwa „die Gaststätte ‚Ackerloch’ steht in der zweiten Reihe“ oder „das Gästehaus Sommer solle für unglücklich sauber Geschiedene, Verlassene gekauft werden“ oder „in Oberkochen ist doch alles tote Hose, da fahr ich lieber in die Kreisstadt, vor allem samstags“. Des Gschäft hot halt dr Teufl gsäh; ma schwätzt au viel, wenn dr Tag lang isch. Manche hent halt zwoi Mäga aber koi Gehirn!

 

Wobei als überraschend unglaubliche aber durchaus berechtigte Idee im Raum steht, dass der Elferrat der Schelmenzunft – sind ja gerade haarscharf wunderfitzige 11 Mann – ab der neuen Spielrunde in der 3. Liga die VfW-Mannschaft (Verein für Wiesenspiele in der Nachbarstadt) ersetzt, drauf hättens die Typen schon! Die ehemaligen Superfußballer des legendären „Athletico Hundebach“ könnten mit ein paar noch fitten Altfußballern, die ihren Sonntagstammtisch dafür gerne ausfallen lassen würden, die Ersatzbank auf höchstem Niveau bestücken. Und man hätte ja schließlich den legendären Done Schlechtlau als genialen, erfahrensten, erfolgreichsten Trainer aller Klassen und Zeiten aufzubieten. Die Schelmenvorstandschaft übernähme das Büro, Mädchengruppen für die Pausenunterhaltung wären endlos vorhanden. Der Heideladen bestritte den Service, unterstützt durch das qualifizierte Personal der zahlreichen Vereinshütten, damit auch hier wieder Leben in die Bude käme – also dem Aufstieg in die zweite Liga stünde eigentlich nix mehr im Wege.

 

 

 

III c.

 

Einiges an Bürgerkritik wurde aufgearbeitet. So hieß es, dass die Natur in Oberkochen keinen Wert mehr habe. Die Natur würde durch ein Baugebiet am Kapelle zunichte gemacht und das wegen möglichen hundert später dort wohnenden Leuten. Auch der kleine Bürger habe in Oberkochen keinen Wert mehr! „Wir sind nicht wichtig, Hauptsach, es gibt immer neue Gelder!“ Wobei einige erschrecken werden: Im Kapellesdach lebt etwas Fledermausiges, das schlussendlich wichtiger als alle menschlichen Bebauungen ist! Und dann die zu erwartenenden brutalen Lärm- und Verkehrsbelästigenugen der Anwohner der maroden Friedhofsteige beim Bau der Wohnungen und danach. Aber während der Bauzeit mit der schier unmöglichen Möglichkeit eines Friedhofbesuches, würde die Stadt vor allem für ältere Betroffene, einen Helikopter für eben diesen Zweck anschaffen. „Braucht ma denn immer neue Baugebiete? Zwischen Leitz und Kocherursprung? Oberkochen ist halt ein Kessel und bleibt einer – oder sprengt doch den ganzen Volkmarsberg platt“, sagt einer. Grundsätzlich wird Eugen Klemmerle empfohlen, immer wieder mal durch die Stadt zu wandern, mit den Bürgern zu reden, dabei zu entdecken, wie marode manche Straßen oder gefährlich ungeräumt solche im Winter sind. Das nenne man Bürgernähe und gälte als Basis für so richtige Beliebtheit!

 

Außerdem sei für die Jugend abends nichts geboten. Wo kriegt man etwa Klamotten her? Abends fahren keine Oberkochener Taxis mehr, an Sonntagen gibt’s keine Busse auf die Heide – eh nix los: Oberkochen sei halt ein Dorf und wird es auch bleiben. Jaja, eine große Herausforderung für Eugen Klemmerle! Auch im Wald kaum Weg-Hinweisschilder: Panik bei Wanderern! Und überhaupt: Im Stadtrat ein Haufen Schullehrer und Dokter! Naja: Wenn die Dokter die Dokter und die Schullehrer die Schullehrer wählen würden, käm allein schon von der Stimmenmenge keiner rein. Warum wählt der Wähler nicht seinesgleichen oder ordentliche Arbeiter ins Parlament, ha? „Also brauchscht au net maula!“ Aber von den meisten Gemeinderäten sähe und höre man eh nix.

 

Auf der Heide gäbe es kein Breitband, nur alte Kupferkabel! Und dann diese aberwitzigen Diskussionen um die Festigkeit von Spielplatztoren. Aber einer schafft es, mit einem Motorrad von der Heide bis zur Arbeit ohne Sprit – einfach sauen lassen! Was andere Hundebachbewohner ordentlich ärgert, da sich keiner an die vorgeschriebenen 50 km/h zu halten scheint. Jawohl, nicht nur in der Hundebachstraße, nein, auch auf der Frühlingshalde würden sogar LKWs rasen! Und dann diese Hundetiere: Kampf dem Hundekot, ein Hundeführerschein wird gefordert. Auch diese Waldgenossenschaft mit drohender, wohl nicht mehr zeitgemäßer personeller Überalterung, die über einen Gegenwert an Holz von 20 – 25 Millionen Euro verfüge, da schau her. Aber die Elsbeer, die wächst halt schwer.

 

 

Zahlreiche andere Themen waren angerissen - z.B. dass beim Bau des neuen riesigen, wuchtigen Ärztehauses die Notwendigkeit eines Trottoirs irgendwie übersehen wurde, auch die Tiefgarage bräuchte bei dieser Billigstbauweise eine Ampel - was zu einem geradezu sensationellen Sensations-Punkte-Plan für einen in jeder Hinsicht erfolgreichen Wahlkampf des Eugen Klemmerle locker ausreichen müsste. Und überhaupt habe alles aufgeschlagen, nur das Freibier und das Weihwasser nicht. Denn weil der Klügere nachgibt, regiert der Dümmere die Welt. Aufgepasst: wer nix gelernt hat, kann auch nix vergessen. Lieber Gott, schmeiß Hirn ra!

 

Die gegenwärtige Zeit ganz allgemein wird immer konfuser und bodenloser: Das „offene Deutschland“ gefährde das Thema Innere Sicherheit. Die Verschlechterung der Sicherheitslage sei kaum mehr in den Griff zu bekommen. Die Alltagsgewalt nimmt drastisch zu: Hauseinbrüche, Taschendiebstähle, Überfälle, Gewalt gegen Polizeibeamte, Feuerwehrleute, Busfahrer oder Lehrer steigen. Schüler meiden bestimmte Ecken um ihre Schule, Leute ändern die täglichen Heimwege nach der Arbeit, trauen sich nach Sonnenuntergang nicht mehr ins Freie. Worte wie Ehre, Recht, Anstand, Disziplin... verlören immer mehr an Bedeutung. Wie steht es um den Bezug zur Natur, wo bleiben Gefühle, Instinkt? Die Zeit sei oberflächlich, hektisch, rasant. Nicht nur die vielen ausländischen Leute und Zuwanderer mit ihren schwerlich nach Deutschland passenden Rechts- und Glaubensauffassungen machen die Probleme - dazu der gegebene behördlich-politische Umgang mit ihnen. Auch die deutsche Jugend, die nur noch aus Ichlingen besteht, die ein Miteinander gar nicht mehr kennen bzw. kennengelernt haben - aber nur so kann ein Staat als Gemeinwesen funktionieren. Wie geht es den Vereinen, dem Ehrenamt, der Zukunft des Städtles? Jeder will das bessere Auto, die hübschere Frau, die weiteren Urlaubsflüge, verlangt nach höherem Besitz... Hirnlose Schmierereien allüberall, idiotischer Unfug etwa bei der Maria-Schutz-Kapelle im neuen Baugebiet, Durstige hocken gelangweilt in der Stadt rum... Wird Deutschland immer blöder, dümmer, rechthaberischer, unregierbarer... - was dann, Bürgerkrieg? Wirst sehen: nach dem Wiesenkapelle reißen sie auch bald das Kapelle im Weingarten ab. Schützt dann nur noch das Josefskapelle die Stadt? Fazit: Der Zahn der Zeit hat Karies! Quo vadis Deutschland? „Wollen Sie da wirklich Bürgermeister werden, Herr Klemmerle?“

 

Freilich: Auch einige wundersame anekdotische Glaubwürdigkeiten kamen aufs Tablett und trugen zu bester Unterhaltung bei. Selber denken macht halt gescheit, s isch halt wia s isch, sonst wär’s ja wias wär. So etwa über die echten Oberkochener Parteien, die in heutigen Tagen nicht mehr diese wichtige Bedeutung für Oberkochener Gesellschaft haben: Als vor ca. 50 Jahren die Stadterhebung im Raum stand, gab es gesellschaftlich auch eine sexuelle Revolution – man durfte nicht laut darüber sprechen. Seiner Zeit weit voraus waren die Frisöre Gockl, vermutlich stramme CDUler, als sie von Kunden hinter vorgehaltener Hand folgender Dialog entwickelte: „SPD?“ „KPD.“ „SS!“ Frauen, die zufällig im Nebenraum mithörten, erröteten, andere Richtiggläubige wollten Anzeige erstatten. Doch der Dialog war schlicht einfach informativ: Kunde: „SPD – Send Pariser dao?“ Gockl: „KPD – Koine Pariser dao“. Kunde: „SS – So a Sauerei“.

 

Fazit: Hinten und vorne kein Grund eruierbar für den seltsamen, unbegreiflichen Tod Guhs, im krassen Gegenteil: es hätte für ein gewaltiges Lob bis in die himmlischen Regionen reichen müssen. Kopfschüttelnd, sich an den Händen haltend und dem Blähren nahe schreiten die Herren im Gedenken zum kleinen Mühlentor und blicken bei hellem Vollmond auf das riesige Wasserrad, manche können Wasser und salzige Tränen aus den Augen nicht mehr halten...

 

 

 

IV.

Guh verließ nach riesigem Lob mit einer Frau die Sitzung. Verdächtig: Wer war diese gnadenlos hübsche Frau in seiner Begleitung mit dieser wundervollen Figur und den schwarzen, ungefärbten langen Haaren wie Ebenholz, die so viele während der Sitzung der Konzentration auf die eigentlichen Anliegen störte? Sie wird alsbald in Guhs Wohnung in lustbarem Outfit ausfindig gemacht, geweckt, befragt: Guh sei nicht heimgekommen, er wollte nur noch geschwind das Kellergewölbe Dübel anschauen, deshalb haben beide sich dann kurz getrennt. Er meinte, im historisch so unglaublich wertvollen Dübel-Keller-Gemäuer irgendetwas gesehen zu haben, den ersten Oberkochener Waschbär oder ein Nutria (myocastor coypus) oder gar einen verflogenen Waldrapp, drum sei sie mit dem Zweitschlüssel heim. Schließlich wollte sie ihren geliebten Guh auch mit etwas Besonderem überraschen und ein wenig Mögerles tun. Mehr wisse sie nicht, sie sei schließlich eingeschlafen, nachdem Guh nicht gleich erschienen war und nahm an, dass er eventuell noch mit einem andern Intellektuellen, etwa Kandidat Klemmerle, kurz ins Sirtaki auf eine Absacker gegangen sei, weshalb so einem wie ihm nicht böse wäre. Irren ist menschlich, verirren weiblich.

 

Aber: Wie kommt nun die Leiche ins Mühlrad? War es ein Unfall, ist Guh in großartiger Stimmung und Hoffnung auf den zu erwartenden nächsten Superhöhepunkt in seiner Wohnung einfach ungeschickt ausgerutscht und ins Mühlrad gestürzt? Hat er womöglich wie vor Jahrzehnten als Ministrant im Hinterhof vor der Sakristei noch ein wenig Fußball mit sich selbst gekickt, an die tollen Ministrantenzeiten, die KJG-Freizeiten in Bezau, Bizau gedacht oder die zahlreichen Jazzmessen, einstmals ein großer Renner, die sogar an den autofreien Sonntagen zu Beginn der 70-er Jahre eine Fahrerlaubnis erbrachten oder die Zeltlager mit Aufbau der Donnerbalken oder die Tea-Times, wo er Schlägereien zwischen diversen auswärtigen Mopedgruppen schlichtete, an die Zeiten der TSO- und PH-Big Band... ein leider verschossener Ball fiel womöglich wie damals über das noch stehende Kukula-Haus und als er ihn holen wollte, geschah das Unglück? Oder war es ein Racheakt einer Nichtoberkochenerin, die wegen verschmähter Liebe jahrzehntelang auf so eine günstige Killgelegenheit wartete – wie Guh bisweilen seine Oma zitierte: „O Eitelkeit, dein Name ist Weib“? Frauen sind halt wie Pilze, die schönsten sind meistens giftig. Oder war der Täter einer der bislang unbekannten in Oberkochen lebenden Reichsbürger, den Guh erkannte, und der so seine Anonymität wahren wollte? Fragen über Fragen. Oder? Oder? Oder? Gott jedenfalls sieht alles, aber er petzt nicht.

Die örtliche Polizei steht zunächst hilflos herum. Was tun? Es pressant haben? Logisch: Auf höhere spätere Pensionsbezieher mit mehr Streifen trotz dünner Personaldecke warten! Die dann auch umgehend erscheinen, die Leiche bergen und ins Headquater zu weiterer fachmännischer spurensichernder Untersuchung verfrachten lassen. Ruhe will am möglichen Tatort nicht so richtig einkehren, obschon die Spusi nach kurzer Zeit mit ihrer Arbeit fertig ist. Einzig erstaunlich: Die Stellfalle war geschlossen. Wie kam das – Absicht, Sabotage, Mord? Den Mühlenweg darf nun niemand mehr betreten, was endlich den Forellen und Enten so richtig entspannend guttut, bis auf das intergeschlechtliche, leicht orientierungslose Fischle genießen dieses Paradies alle Wasserbewohnerinnen und Wasserbewohner geradezu fürstlich.

Der Herr Landrat bedauert endlos, da jetzt gerade dummerweise auswärts aufhalten müsse, und er so in der Presse nicht vom Originalschauplatz weise Kommentare vermitteln und Zuversicht lächeln konnte, dafür ist aber sein Parteifreund Wassersenker, zufällig nicht bei der anscheinend holländisch werdenden Bahn in der Landeshauptstadt, überall präsent: „Ich habe schon vor Jahren vor so etwas gewarnt.“ Auch das SWR Fernsehen - am Ulmer Schwabenradio geht’s zunächst anscheinend irgendwie heimlich peinlich ärgerlich vorbei - schickt Ronja Lieblichlein, die mit einem Kameratypen etwas planlos herumirrt, da sie keine kundigen Interviewpartner findet - bis auf Wasserheber und Tramb, der nach Stunden irritierender Krankheit nun doch vor Ort erscheint. Auch Pressehengst Glock von der lokalen Zeitung ist überall forschend zugegen, aber da er als geflissentliches Sprachrohr Trambs bekannt ist, kommt er leiderst nicht zu hinreichenden Infos, so dass er einfach ein paar alte Mühlenbilder verwendet. Selig, wer nichts zu sagen hat und auch schweigt. Aber unerwartet unfassbar: Das Konkurrenzblatt präsentierte 8 Stunden später eine krass farbige Sonderausgabe.

 

Freilich: Die meisten Männer sind wie Jeans: im Regelfall blau und ziemlich steif.

Auch die bekannten Wirtshaustheoretiker, Stammtischbrüder, Besserwisser mit unerwartet ein paar klugen Köpfen darunter, zerreißen sich die Mäuler: „Des gschieht em recht, dem Guh, dem Arsch mit seiner große Gosch!“. Ein anderer will widersprechen: „Grad du mit deim dauernd hirnlose Gschwätz, dir schlag e doch glei ois en d Anka nei!“ - schon knallen schiergar Fäuste. Ja, ällweil bsoffa, isch au guat glebt! Manche Menschen sind halt wie Dinosaurier: Viel Masse, aber wenig Hirn. Ja, lieber besoffen und fröhlich als nüchtern und doof. Nur ein Gast blieb entspannt ruhig – wenn der d Gosch aufmacht, no isch scho gloga: „Misch interessiert dieser olle Kackarsch, dieser Nieselpriem, überhaopt nüscht. Bring mr liebar noch n großes Bier, ausnahmsweise mitn Muhskräppelschn dazu!“ Auch die beiden Oberstammtischler Freddy Schlächter und der Japanmoritz sind unerklärlicher Weise einmal völlig sprachlos – das hats auch noch nie gegeben. Außerdem häbe der Wahnsinnige einen kleinen Golf-Übungsplatz bauen wollen zwischen Hügelstraße und Hundebach von seiner Terrasse bis zum Wirtshaus „Ackergerät“. „Der hat doch an Vogel ghet, so a Spenner!“ Manche Leute sind halt sterrig wie Hainbuchen. Tausende schaulustige Besucher bringen dem Mulin Millionenumsätze und dann auch der Stadt, da schließlich über den Umsatz abgerechnet wird (man fühlt den Stadtkämmerer schon heimlich auf dem WC regelrecht strahlen), die andere Gastronomie grummelt, verflucht ihren einstigen Stammkunden Guh. „Wenn e den verwisch, der ka sich auf was gfasst macha“, schimpfts vom Tresen. Als gesagt wird, der sei doch he, lacht der Stammtisch gnadenlos laut. Resultat: Drei Minuten später ist der Tisch geräumt, alle diese frechen Pöbler hinausgeschmissen. Taube Ohra isch halt schlecht prediga.

 

Früher konnten die Frauen eben kochen wie Mutti, heute saufen sie wie Vati. A Weiberzung isch wia a Kuhschwanz, boide standat niemals still. Da schau her: ein paar Tratschweiber beim Hoierles, eine mit so einer rechten Raffl: „I will mr d Gosch net vrbrenna, abr i ka den Guh ums Verrecks net verputza. Der isch koi Zähr wert!“ „Dir sott e d Schublad scho no stopfa, du gschuckts Weib“, denkt eine andere, „ohne Kopf wärscht du au schöner!“ So manche aber verzwaazlet schier. Jaja, Frauen lügen nicht. Manche erfinden die Wahrheit einfach neu. Hm, wenn die Frauen verblühen, verduften die Männer. Ein rechter Schwabe wird nie ganz zahm, außer er isch guat verheiratet. Bloß: Wie viele waldechte Schwaben gibt’s überhaupt noch im Dorf? Man hört ja vielerlei Sprachen, die weit über das traditionell gewohnte schwäbische, coburgische, jenenserische hinausgehen.

 

Irgendwie nach geheimer Absprache trifft der Stadtrat zu letztlich unzulässiger verborgener Sitzung mit bekannt dürftigem nichtssagenden Ergebnis: man sei völlig überrascht, könne das Ganze absolut nicht einschätzen, wasche aber Hände und Füße gänzlich in Unschuld – so sind Politiker halt, kennt man ja im Städtle, der Politik, in Wirtschaft, DFB und, sorry, leider auch in privaten Kreisen. „Los guat zua, was es sag, dass au woisch“, würde der von Sepp Herberger ausgebildete und Fritz Walter ausgespielt habende Fußballgott Done Schlechtlau sagen. Ein Konferenzsaal ist eben ein Ort, in den viele reingehen aber nichts herauskommt. Wie soll das aber Glock in der Zeitung verkaufen?

 

Auch anderweitig Hektik im Städtle: der katholische Kirchenchor übt bereits 8-stimmige Grabgesänge mit Solisten, Streichern und Bläsern, es kommt schiergar zum massiven Streit mit dem Gesangverein - auch der Musikverein, sogar auswärtige Vereine kommen plötzlich ins Spiel – etwa ein anderer Kirchenchor und ein Männerchor aus der nicht weiteren Umgebung, der Musikverein einer Nordseeinsel sowie ein Chor aus Südtirol und einer aus Norditalien, wo Guh anscheinend überall sogar Ehrendirigent sein solle. Vor allem der Schelmenverein will bzw. muss unbedingt mitwirken: „Der Guh gehört schließlich als Ritter vom Goldenen Vlies zu den höchstgeehrten Narren im Land, da sind wir die Nummer 1 beim Begräbnis“. Einem Narren kann man nix übelnehmen. Und die Böllerschützen mit ihrem Profifußballfan und als Extorwart 18 Kisten in einem Spiel kassierende Nogo Jörck an der Spitze, überlegen ernsthaft, die Asche Guhs mittels ihrem neuen Böllergerät vom Rodstein als Segen über die Stadt zu verteilen. Wer kann hierzu die nicht nur behördlichen Hürden überwinden? Hat Guh ein Testament verfasst? Vielleicht stünde so was da ja drin, hie und da hatte der ja auch einen kleinen Vogel.

 

Nächtens liegen Klemmerles im Bett, ein wenig Licht quillt durch Rolllädenritzen. „Mit dir isch doch irgendebbas, Schatz“, rätselt die womöglich kommende First Lady und legt ihren Arm zärtlich auf die Vorderseite seines leicht behaarten Oberkörpers über der wohlgeformten Wampe. „So eine kleine Rasur wäre doch bestimmt wahlkampffördernd“, denkt sie vor sich hin. „Was soll denn scho sei – nex!“ kommt es leise aus seinem Mund. Doch im Hinterkopf quält es ihn: Sein Schatz sollte die Haare wie früher viel länger wachsen lassen, vielleicht ein wenig Botox – alle Tricks für eine erfolgreiche Bewerbung sollten schon genutzt werden. Kein Wunder, dass unter derlei Druck auch das gewohnte, erfüllt leidenschaftliche Nachtleben nach dem gemeinsamen Kochen durchaus leidet. „Komm, mir stellat a oigene Mannschaft für des Palio-Renna!“ Aber net dass die Wahl hinten hott geht.

 

V.

 

Doch zunächst: Auf dem städtischen Friedhof werden Guhs irdische Reste – seine Identität zweifelsfrei belegt durch Zeugenaussagen (wie dem mittlerweile dank der professionellen Verseelsorgung aber nur leicht ruhigeren Mützler), Handy, Zahnbefund, DNA, dessen Beine einem aber irgendwie gar nicht mehr so zusammengedetscht vorkommen und auch seine Körperfarbe eigentlich nicht todweißlich aussieht... - nach polizeilicher Behandlung abgelegt, angeblich in der Zelle, in der vor ziemlich genau 50 Jahren eine Leichenschändung stattgefunden haben soll. Der rausgeworfene Stammtisch trifft sich wieder – Gesprächsstoff ohne Ende! Und man kann es zunächst weder glauben noch erklären; Singende, tanzende, junge, auswärtige, unbekannte Frauen (liebreizende Verehrerinnen Guhs, Hexen oder einfach Spinnerinnen?) machen in der ersten Nacht eine krachende Party um Leichenhalle zu Ehren Luap Guhs: Der Teufel ist um die Halle am Parkplatz los. Wie kann man das erklären, verstehen, zulassen? Die Polizei hat schon wieder ein Problem: Spektakel beenden oder mittanzen bei so hübsche, herzige Dengana? Hm? Aber schon bringt der Sonnenaufgang mit zu viel körperlich anstrengenden Tanzübungen gottlob eine müde Lösung.

 

Nun geht es Schlag auf Schlag: Eine „Soko Oko“ wird auf einmal gebildet, sogar namhafte Schauspieler aus Fernseh-Sokos erhalten die Erlaubnis mitzuwirken, denn so ein exorbitanter Fall steigert ihren Bekanntheitsgrad bis in die Stratosphäre. Trotzdem mault einer: „Diese Leute sollen misch in Ruhe lassen mit ihren dauernden Selfies und Autogrammwünschen, isch muss ermitteln, Mensch!“ Trotzdem: Ohne Kopf wär der auch schöner. Denn ein Gscheiter kann von einem Dummen lernen, aber kein Dummer von einem Gscheiten. Freilich: a bissle domm isch jeder, aber so domm wia mancher isch koiner, denn bloß dia Domme moinat, dia Gscheite wissat ällas.

 

Die Tatortkommissare kommen zum Einsatz, suchen in Guhs häuslichem Büro (Jaja, er wäre gerne verheiratet – aber 24 Stunden täglich? Ein Junggeselle ist ein Mann, dem zum Glück die Frau fehlt) und finden auf seinem Schreibtisch erschreckende Prophezeiungen, etwa vom Mühlhiasl (1753 - 1805): „Ein Stern in Schwaben wird erst untergehen und dann überraschend aufsteigen, danach beginnt bald die große Katastrophe“. Alois Irlmaier (1894 - 1959) sagte: „An einem Morgen in Süddeutschland geht es los: Das letzte Zeichen bevor der Russ kommt.“ Was soll das bedeuten? Woher weiß der Guh das alles? Die Kommissare verweigern weitere Nachforschungen, denn sie frierts gänzlich, als sie auch von Katharina aus dem Ötztal (1883 - 1951) lesen: „Ganze Horden schiach aussehender Leute aus dem Osten überfallen Deutschland, sie morden und rauben, es geht um den Glauben. Ein wundersames Ereignis am Mühlrad ist letzte Warnung – wird aber wohl nicht wahrgenommen.“ Wie steht es gar um die Zukunft der Menschheit? Ein handschriftliches Konzeptblatt liegt daneben: „Der große dritte Krieg, vor allem in Europa geführt (Monat, Jahr des Beginns und Dauer sind weil völlig unleserlich nicht entzifferbar), ist ein kurzer und wird von einem gewaltigen Meteoriten beendet, der in Böhmen einschlägt und die Erde spaltet. Ein neues Zeitalter, vielfach prophezeit, wird danach kommen und die ‚tausend goldenen Jahre’ oder das Paradies genannt werden“.

- 15 -

 

Kennt Guh die Geschichte der Menschheit und kann schlicht Zusammenhänge erforschen? Der verlorene Kontinent Lemuria etwa, der ja als der ursprüngliche Garten Eden galt, im Pazifikraum gelegen, wo bei der großen Katastrophe Millionen Menschen ums Leben kamen und nur wenige Flüchtlinge überleben konnten. Übrigens: Moses schrieb vermutlich die ersten Bücher der Bibel nach dortigen Tempelaufzeichnungen ab. Oder kurz darauf der Untergang von Atlantis, einer Vielzahl größeren und kleineren Inseln im Atlantik mit ihren Pyramiden, die auch im Rahmen der großen Flut, der Sintflut, ihren Untergang fanden. Atlantis muss auf höchstem kulturellen und technischen Stand gewesen sein und über Lasertechnologie und Atomkraft verfügt haben. So kamen deren Überlebenden, Cro Magnon-Menschen genannt, auf unseren Kontinent, so dass sich die hier lebenden Neandertaler in den Alpenraum zurückziehen mussten. Auch wurde vom Meteoriteneinschlag eine Veränderung der Erdumdrehung und der Erdachse verursacht. Kommen heute wie damals zur hochentwickelten Intelligenz auch Habgier, Machtgelüste und die daraus folgenden negativen Kräfte? Steht uns Ähnliches bevor wie um etwa 10.500 v. Chr.? Sieht Guh Zeichen für den globalen Kollaps: Wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, Überlastung der Umwelt, Rohstoffgebrauch benötigt immer mehr Kapital, Erosion der Sozialsysteme, Verlust natürlicher Ressourcen...? Braucht die Menschheit eine Katastrophe als Anlass zur Besinnung, um das Goldene Zeitalter zu erreichen oder finden Visionäre vielleicht doch einen sanften Übergang?

 

Auf dem Gästebett nebenan liegt eine schillernde, leicht leuchtende, steinige, historisch bedeutend aussehende Tafel mit völlig unerklärlichen Zeichen darauf. Ein verschwiegen hinzugezogener richtiger Archäologe kniet davor nieder, schluchzt, weint und will die Wohnung sofort unter Quarantäne stellen: „Das muss eine Original-Keilschrifttafel mit Teilen von Tempelhymnen aus einer längst vergangenen Zeit sein: babylonisch, syrisch oder assyrisch? Völlig unerklärlich, wie so ein unglaublich rarer, sensationeller Weltschatz nach Deutschland findet! Nur wenige Spezialisten auf der Welt können diese entziffern.“ Man weiß von Guh, dass er geheimer Mitarbeiter bei der Landesarchäologie ist, in Oberkochen mit die Alamannen ausgegraben hat und erster aushelfender Grabungsleiter bei der berühmten Alamannengrabung im nahen Lauchheim war und großen weltlichen Ärger bekam, als er Grabungshelfern von der Gefängnisaußenstelle bei Hülen zwei Biere am Tag zu trinken erlaubte oder er mit Schülern seiner Archäologie-AG erste Grundmauern eines Schlosses bei Neresheim freilegte oder er beim Bau des Klostergartens in Kirchheim am Riesrand sich über alle denkmäligen Vorgaben fesch hinwegsetzte und es nur deshalb zum so beachtlichen Erfolg werden konnte. Der Guh hat halt einen roten Faden und gesunden Menschenverstand.

 

Jedoch diese Tafel sprengt alles menschlich Denkbare. Der Archäologe muss erst stundenlang medizinisch-psychologisch behandelt werden und faselt wirres Zeugs unverständlich vor sich hin. Gehört Guh am Ende gar zu den anscheinend immer noch auf Erden anwesenden geheimen Außerirdischen, auf die babylonische, sumerische und assyrische Keilschrifttafeln bereits vor Jahrtausenden hinwiesen (vgl. den unbegreiflichen Fund auf Guhs Gästebett), als im Orient nach der großen Flut intelligente, menschenähnliche Lebewesen mit der Raumfähre Nibiru von der Raumstation mit Namen „Himmel“ aus Glanzmetall auf der Erde landeten und der Menschheit Kultur und Religion brachten, die aufrecht gehenden Zweibeiner zur Rasse der Menschen züchteten und auch heute noch beobachten, fördern, ausbeuten? Luap Guh als Mensch und Außerirdischer? Als altägyptischer Weissager? Bewegt er sich etwa durch Schwarze Löcher? „Sei könnt so was bei dem fei scho!“, sagt einer nach der Sonntagskirche zu den anderen, denen die Spucke gänzlich wegbleibt, weshalb einige sofort mit trockenem Hals zu hüsteln beginnen. Wobei mach Halbgebildeter sich abwendet, da er mit all solchem großen Wissen leider wenig anzufangen weiß.

 

Weiter sind historische, einmalige, gebundene Bücher im Regal neben dem Schreibtisch zu finden. Der Archäologe lässt niemand an solche geheimen Schätze. „Will der damit berühmt werden?“ fragt die Soko-Kommissarin ihren Mitkommissar, die selbst immer verwirrter zu werden scheint. Hat das womöglich mit Guhs Vorfahren zu tun, die er vielleicht selber war, dem Raubritter Guh vom Rosenstein zum Beispiel, dem manch grausige Geschichte zugedichtet wird, besonders als er das liebliche und sittige Fräulein Gertrud vom Rechberg mit Gewalt zu seiner Frau machen wollte und dessen legendäres Schwert mit angeblich codierter Inschrift bis heute noch nicht gefunden wurde, das laut Guhs früheren Aussagen in absehbarer Zeit unter einem Felsen entdeckt werden würde und so der ehemaligen Burg auf dem Rosenstein zu gewaltiger Berühmtheit verhülfe. Und war Guh vielleicht auch der bekannte Herzog Paul von Württemberg, der bei der Treibjagd im Winter 1810/11, in Bartholomä wohnend, über den Volkmarsberg mit dem Ziel Steinheim am Albuch auf der Bilz den Bilzhannes traf und dort dessen furchtbar rauchenden und stinkenden Ofen über den Haufen warf und dem Hannes mit mehreren Silbertalern zu einem neuen solchen verhalf, den seine Leibwächter das Tiefental herauf mit dem königlichen Wagen brachten? Seit Guh als Halbstarker einstmals bei der historischen Hütte war, heißt es, sei der Geist des Bilzhannes in stürmischen Nächten nicht mehr erschienen und auch seine raue Stimme nicht mehr hörbar gewesen. Nebenbemerkung betreffend Bilzhaus: Eugen Klemmerle verspricht dem Herrn Murkle, der sich bisweilen recht engagiert um selbiges kümmert, sofort nach seiner Wahl vier LKW-Ladungen Kies auf dem Weg dorthin ausbringen zu lassen, um die tiefen Rillen auszubessern und eine ungefährliche Zufahrt per PKW zu ermöglichen.

 

Weitere historische Nachweise werden wohl schwer zu begründen sein oder vielleicht sogar auch gar nicht. Guh der Apostel Paulus von Tarsus? Eine gewisse Ähnlichkeit lässt sich in den Mosaiken der damaligen Zeit durchaus ausmachen. Sechs Päpste hießen so, fünf Patriarchen, zahlreiche Bischöfe, Herrscher durch die Jahrtausende. Sind die Keilschriften womöglich prophetische Belege? Wer kann sie entziffern? Aufgaben für die Wissenschaften auf Jahrhunderte. Und die Rolle Luap Guhs dabei? Immerhin sind seine Vorfahren mütter- und väterlicherseits bis ins mindestens 13. Jahrhundert anscheinend waldechte Oberkochener. Es soll ja Leute geben, die können ihren Stammbaum bis zu denen zurückverfolgen, die noch darauf saßen.

 

Wobei sein Name onomastisch sogar auf den Göttervater Odin zurückgeht, dessen beide Raben Munnin und Hugin (letzterer steht für Denken, Weisheit, Intelligenz, Klugheit) hießen. Guh auch noch ein Rabe? Oder pflegte der womöglich ein Verhältnis mit der Frau Frigga des Gottes Wotan (= Odin), die man hier und heute als „Frau Holle“ kennt? Womöglich hat er gar aktive Kontakte mit den seit knapp 70 Jahren die Erde besuchenden Aliens, den Insektoiden mit ihren riesigen tiefschwarzen Augen, den völlig fremdartig wirkenden Reptiloiden oder den Greys, jenen kleinen, menschenähnlichen Typen mit den hohen Stirnen, den mächtigen dunklen Augen, den langen Hälsen und gräulicher, ledriger Haut...

 

Oder ist er der aktuellen Zeit voraus, kann in die nächste Zukunft schauen und gehört bereits zur neuen Generation des kommenden Homo Deus, die auf den Homos sapiens folgen soll. Schon heute sterben mehr Menschen an Übergewicht als durch Hunger, Kriege, Gewalt, was die größten Probleme der Menschheit durch die Jahrtausende waren! Heute wackelt vor allem auch die politische Welt, es fehlt an sinngebenden Visionen. Die Welt verändert sich immer rasanter: der heutige Mensch müsste seinen Vorfahren wie ein Gott vorkommen. Körper, Gehirn, Bewusstsein werden immer wichtiger: Bioengeniering, Cyborgs, anorganisches Leben, künstliche Intelligenz, Big Data (etwa bionische Augen, Gliedmaßen). Kommen bald die Supermenschen: klüger, intelligenter, stärker, widerstandsfähiger? Bahnbrechende Technologien, selbstfahrende Autos billiger und sicherer. Wie sieht dann der neue Lebenssinn aus? Lebt man nur noch mit Computerspielen? Werden Menschen nutzlos? Früher lebten verschiedene Arten durchaus gleichzeitig (Neandertaler, Homo erectus, Homo denisova, Homo sapiens), bis nur noch eine übrigblieb. Was weiß Guh da alles noch?

 

 

 

VI.

Plötzlich in Guhs dritter Nacht im Sarg, der Nacht vor der geplanten Vergrabung: Ganz Oberkochen wacht erschrocken auf: Ein gewaltiges, überdimensionales Lichterspektakel, Lärm, Pfeifen schlag Mitternacht, grell dort oben am Weingarten, am Friedhof. Irgendetwas Außerirdisches? Dumme Bubenstreiche? Dreht das Städtle durch? Auch auf dem Rosenstein habe zum gleichen Zeitpunkt eine gewaltige, aber überraschend lautlose Lichterscheinung viele Heubacher erschreckt. Aliens? Ufos? Hat das womöglich mit Guhs Prophezeiung über das Auftauchen des legendären Schwerts vom Raubritter Guh zu tun? Eine Grabung läuft dort ja aktuell...

 

Zwei Frauen, zufällig nächtens auf dem Kapellensteige unterwegs, häben völlig schockiert in der Lichterscheinung den Geist von Altbürgermeister Busch gesehen, lächelnd mit einem Viertelesgläsle Rotwein in der linken Hand. Sie rennen betend, zitternd, mit Tränen in den wässrigen Augen über die nun holprigen Steinwege zum verschlossenen Maria-Schutz-Kapelle und werfen sich davor nieder. Plötzlich öffnet sich die Türe, alle Kerzen im Innern beginnen wunderbar hell zu leuchten, die Orgel lässt mit mindestens vier unsichtbaren Händen das Händel-Halleluja erklingen! Nur die fledermäuslichen nachtaktiven Kapellesdachbewohnerinnen und –bewohner (Mikrochiroptera) wissen weder ein noch aus und erleben die Hölle auf Erden.

 

Do guck nauf: Oben am Rodstein wird es irgendwie unerwartet hell und heller! Sämtliche Kerzen und andere Lichter beginnen in der Lourdesgrotte zu leuchten, sogar die Madonna strahlt über das Städtle! Einige Personen, so ziemlich neben der Kapp, verstecken im Grunde unerlaubt sich in den altbekannten Eiskellern: „Misch friert sowieso bei all dem Unfasslichen, was da eben jeschieht, da is mir die Kälte dort jerade rescht!“ Naja, wenn so einer den Geist aufgibt, braucht er nicht viel aufgeben.

Nach einer hektischen Nacht in Oberkochen, bei der wenige Schlaf fanden, da alles in höchstem anderem Maße erregt war – erstaunlicher Weise fand aber so gut wie nirgendwo häuslicher Sex statt - ging ebenso hilf- wie sprachlos, der Beerdigungsmitarbeiter des morgens mutig zum Öffnen der Leichenhalle. Obschon leicht asthmabeschwert sog er die Luft langsam ein – staunte regelrecht beglückt über wunderbaren, geradezu himmlischen Geruch, der dort geheimnisvoll waberte - öffnete zaghaft das Portal und fand Guh fröhlich zart lächelnd in seinem Sarg liegend und schiergar katzendreckig herausgrinsen. „Hebet mich, ich falle hinan, ich hab eifach ’s Pech am Fiedle“ jammerte der Leichenpfleger und sank hilflos darnieder – Glück gehabt, nichts Schlimmeres passiert, Guh fing in behände ab. Man vergrabt nehmlich koin, vor er net gstorba isch.

 

Rascher als in Windeseile verbreitete sich die unglaubliche Nachricht in Stadt und Land. Guh machte den Namen Oberkochens in der ganzen Welt schlagartig bekannter als der Zeiss. Aber: Guh ein Heiliger? Ein Bescheisser? Ein Schlauberger? Ein Haderlump? Ein Bundeskanzlerkandidat? Ein Schwindler? Ein Verschwörungstheoretiker? Ein Prophet mit höheren spiritistischen Bewusstsein? Oder nur ein Lausbub, ein seltener Spaßvogel? Am Ende doch ein Außerirdischer? Der schwäbische ET? Ein Man in Black? War er 1969 etwa auch auf dem Mond? (Topsecret: Astronaut Louis Armstrong bestätigte ja, bei der Landung dort ein völlig anderes Raumschiff gesehen zu haben.) Eine menschliche Geisterscheinung unter uns, die mit Raumenergie hantieren kann? Ist sein unscheinbares Auto gar eine Zeitmaschine? Und warum hat er dann seine CD über die Kinder- und Jugendzeit im Kochertal gemacht oder mit seinem ehemaligen Kirchheimer Kirchenchor Cantemus fromme Lieder in Youtube gestellt? Fragen über Fragen: wer kann dies Phänomen verstehen?

 

„Was sollet mr macha, Schätzle, i ben halb fassungslos?“ „Oh, mir gohts genauso, Lieberle, i han scho richtig Bauchweh!“ „Machtat dia womöglich jetzt den Guh zum Ehrenbürger?“ Halblebiges Küssle, Schreck lass nach! Eugen Klemmerle verzweifelt und sitzt schweigend händchenhaltend aber auch etwas depressiv seufzend neben seiner geplanten First Lady und sie überdenken dreierlei: Schafft 1. für Guh ein sensationelles Denkmal in der neuen Ortsmitte vor dem Baum mit dem Vogelnest und der gewaltigen sehenswerten Rodsteinkulisse, dann wäre damit alle sie betreffende Fragen, Schwätzereien, Besserwissereien schlagartig sinnvollst erledigt und sein unauffälliges, aber doch sein wichtiges menschliches Leben geehrt, da er doch über all den Speicherleckern, Steuerhinterziehern steht. Und 2.: Zahlt ihm rasch einen halbjährlichen Urlaub in seiner Partnerschule in Tansania, wo er eh immer hinwollte, um ihn, Klemmerle, bei all den auf ihn zukommenden Durcheinanderfairnissen und Lebtagen des kommenden Wahlkampfes von diesem merkwürdigen Guh-Schatten zu befreien, und unbedingt 3.: Gebt sein Hellseherwissen weiter, um Schlimmeres zu vermeiden und die ganze Welt zu retten; damit gewinne ich, Klemmerle, an Riesenzuspruch und werde noch weit über den bescheidenen Oberkochener Ortsrand hinaus berühmt. „Komm, Schätzle, stoßat mir mit Uso a! – Wa, du willsch an Sambucca? Au recht, Hauptsach mir ziehat erstmol ins Rothaus ei - jamas“.

 

Aber was mit nun wirklich Guh machen? Siehe da, er lebt. Braucht er aber Polizeischutz – man denke, an die intrigant geschlossene Stellfalle: das muss ja mit Absicht von jemand inszeniert worden sein! Stecken also Dinge dahinter, die wir doch noch wissen sollten? Oder schützt Guh die Polizei? Am besten mal alles einfach sacken lassen oder gibt es eine Fortsetzung?

Nach einigen Tagen, als Fernsehkameras, Rundfunkschwätzer, Pressefritzen endlich den Ort verließen – schade für die örtliche Beherbergungsgastronomie – kehrte endlich wieder beschauliche Stille mit der bekannten gebotenen Langeweile im Dorf ein. Nur ein einsamer, unauffälliger gesetzter Buchautor bezog im Ort Quartier, um das ganze unerklärliche Geschehen penibel nachzuforschen, auszudenken, damit sich eventuell mit einem extra Buch eine Schweinesumme verdienen lässt – ein gelehrter Mann auf der Spur der Wahrheit?

 

Ein Schulteswahl steht bevor, auf geht’s Klemmerle: Zum Frisör, Bauchbinde kaufen, aufrecht gehen, neue Schuhe, lächeln, strahlen, Zuversicht und Freude verbreiten, neue First Lady zum Stylisten schicken, Facelifting, Fingernägel anmalen, Oberweite straffen mit Sport, keine Modesünden, ihre Tanzleidenschaft fördern usw. usw. – wir wollen doch sehen...

 

 

 

 

 

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